Unsere Azubis 2016
Von links nach rechts:
Sorgenfrei, Saskia – Ernst, Philipp Alexander – Ulusan, Cenkay – Welle, Alexander
Nicht auf dem Bild: Ulusan, Aylin

Sie sind gespannt und gut gelaunt, die fünf neuen Auszubildenden der BG Klinik Ludwigshafen, die sich am Montagmorgen im Raum für Innerbetriebliche Fortbildung treffen. Freundlich begrüßt werden Sie vom Pflegedirektor Nicklas und seiner Stellvertreterin Hassler-Frey. Damit die drei Jungs und zwei Damen sich gleich richtig willkommen und ernst genommen fühlen, werden alle schon mit einer Dienstkarte und einer schicken BG-Tasche – gefüllt mit USB-Stick,  Schlüsselband und Notizbüchern bedruckt mit ihrem eigenem Namen - ausgestattet. Auch die Größen für die Dienstkleidung werden abgefragt, denn schließlich wollen alle nach der angekündigten Klinikführung so schnell wie möglich direkt mit dem Praxisteil beginnen können. Doch ganz ohne Theorie geht es natürlich nicht, auch eine ausführliche EDV-Schulung steht noch an. Und auch die Azubis scheinen nicht ganz unvorbereitet zu sein, einer fragt schon gleich nach der „Handzettelliste“. Da trifft es sich gut, dass die Praxisanleiter bei Bedarf den Ausbildungsplan variieren können.

Nach drei Tagen treffen wir die fünf Auszubildenden wieder, es ist viel passiert in der Zwischenzeit. Was genau erzählt uns der Auszubildende Alexander Welle aus seiner Sicht.

 Interview mit dem Auszubildenden Alexander Welle

Nachdem Alexander Welle (20 Jahre) eine Bewerbung an das Diakonissenkrankenhaus in Speyer geschickt hatte, rutschte er erstmal auf die Warteliste. Es gab schlicht mehr Bewerber, als Ausbildungsplätze und erst im August dieses Jahres kam der Anruf, dass er einen Ausbildungsplatz in Ludwigshafen ergattern konnte. Dass er einen sozialen Beruf ergreifen wird, stand für ihn außer Frage.

AW: „Ich war schon immer sehr sozial eingestellt und es war für mich von Anfang an klar, dass ich einen sozialen Beruf machen will. Als ich mich noch am Abitur versucht habe, war für mich mein großes Ziel Psychologe zu werden. Da ich aber dann kein Abitur gemacht habe, fiel das weg und ich habe mich nach Alternativen umgeschaut. Da bin ich dann auf den Notfallsanitäter gekommen.  Erfahrungsberichte von Bekannten und Freunden, die im Uniklinikum Mannheim auf der Intensivstation arbeiten, haben mich dann letztendlich zum Beruf des Gesundheits- und Krankenpfleger gebracht. Dann habe ich mich für beide Berufe beworben und Speyer war die erste Stelle, bei der ich zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde und so hat sich das dann alles entwickelt.“

Hast Du vorher schon ein Praktikum im pflegerischen Bereich gemacht? 

AW: Nach dem Vorstellungsgespräch wurde mir empfohlen ein mindestens zweiwöchiges Praktikum zu machen. Ich habe dann gleich vier Wochen im Speyer im Diakonissenkrankenhaus gemacht, da war ich auf den Stationen 4 und 5, die sind beide für Gefäßchirurgie zuständig.  

Das hat Dich dann sofort überzeugt? 

AW: Es hat Spaß gemacht, es war fordernd, es war nicht jeden Tag das Gleiche, wie bspw. in einem Bürojob. Das war mir auch sehr wichtig. Das Team war nett zu mir, hat mich gut aufgenommen und mir alles gezeigt. Da dachte ich mir sofort, dass das eigentlich echt Spaß macht. Klar, kosten einige Sachen etwas Überwindung, wie die Intimpflege oder solche Sachen. Wenn man sich aber daran gewöhnt hat, ist das kein Thema mehr. 

Hast Du in der kurzen Zeit bereits einschneidende Erlebnisse gemacht? 

AW: Ja, schon während meines Praktikums. Ein Patient hatte eine allergische Reaktion. Der Arzt und alle examinierten Krankenpfleger waren bei ihm und dessen Frau war mit ihm Zimmer. Sie ist hysterisch geworden, hat angefangen zu weinen und dann wurde mir gesagt, ich solle sie raus bringen und beruhigen. Das habe ich dann getan, ihr gesagt, dass die Leute wissen was sie tun, ihr Mann in guten Händen ist und sie sich jetzt keinen Kopf machen muss. Nach ungefähr dreißig Minuten war der Patient wieder stabil und auch die Frau hat sich dann wieder beruhigt. Am nächsten Tag war sie wieder da, ich hatte auch Dienst. Dann kam sie zu mir und sagte: „Vielen Dank, dass Sie mich gestern da rausgeholt haben, sonst wäre ich wahrscheinlich komplett durchgedreht.“ Da habe ich gesehen, dass man auch was zurück kriegt. Die Dankbarkeit von Menschen, von Patienten, die auf Station kamen und vielleicht ganz unten waren. Man kann den Verlauf beobachten, wie es ihnen immer besser geht und das gibt es eben nur in diesem Beruf. 

Patienten machen in Notsituationen auch keinen Unterschied. Wer als Praktikant oder Auszubildender auf der Station ist, ist mit dabei, und kann seinen Anteil leisten. Verantwortung übernehmen von Anfang an, diese Erfahrung durfte auch Alexander Welle machen. 

AW: Man wird zwangsläufig ins kalte Wasser geworfen und muss gucken, wie man damit zurechtkommt. Aber ich finde, dadurch lernt man am besten, durch eigene Erfahrungen. 

Was habt ihr denn jetzt genau in der ersten Woche in der BG Klinik gemacht? 

AW: Wir waren am Montag hier, wurden begrüßt und uns wurde das Haus gezeigt. Wo das Labor ist, wo die Cafeteria ist, damit man sich grob zurechtfinden kann. Wir hatten auch schon einen kleinen Arbeitsauftrag von der Schule, nämlich das Haus mit den verschiedenen Stationen und Schwerpunkten in einer Power-Point-Präsentation vorstellen. Am Dienstag waren wir den ersten Tag auf Station, dort wurden uns dann die jeweiligen Praxisanleiter zugeteilt. Wir durften mitlaufen und über die Schulter schauen. Auch kleine Hilfestellungen durften wir schon leisten; Bein wickeln, Bein heben und kleine Dinge holen, die gebraucht wurden. Am zweiten Tag wurden uns schon Aufgaben zugeteilt, einfache Desinfektionen übernehmen und Patienten bei der Körperpflege unterstützen, zum Beispiel den Rücken waschen. Heute hatten wir dann schon unsere erste richtige Anleitung. Uns wurde ein Patient für die erste komplette Körperpflege zugeteilt, die Praxisanleiterin war die ganze Zeit an meiner Seite und hätte mich unterstützen können, wenn etwas gewesen wäre. 

Die Praxisanleiter sind also dafür zuständig, euch, einem gewissen Lehrplan folgend, die praktischen Tipps und Tricks beizubringen? 

AW: Genau, im Laufe der Ausbildung wird sich das immer weiter ausdehnen. Die Praxisanleiter werden von den Schulen Bögen bekommen, in denen sie über unsere fachliche und soziale Kompetenz Auskunft geben müssen. 

Du hast eingangs erwähnt, dass Du Dich für Psychologie interessiert hast, ist das eines der Lehrfächer? 

AW: Jein, das Zwischenmenschliche wird geschult, dass man eben zu einem Patienten oder Angehörigen nicht forsch ist oder den anschnauzt, sondern höflich und zuvorkommend sein soll. Das bezieht sich auf den sozialen Aspekt, Psychologie im eigentlichen Sinne also nicht. Wir werden nach einem halben Jahr ein Sterbeseminar haben, damit wir zumindest etwas darauf vorbereitet sind.

Du bist 20 Jahre alt, hast Du vorher schon eine andere Ausbildung gemacht? 

AW: Nein, ich habe die Mittlere Reife gemacht und mich dann noch mit dem Abitur versucht, aber irgendwie war das nichts für mich. 

Was erhoffst Du Dir persönlich von der Ausbildung? 

AW: Erfahrungen sammeln. Erfahrungen, die man sonst nicht so mitbekommen kann. Auch das Zwischenmenschliche interessiert mich. Wir als Pflegekräfte kommen zu für uns komplett fremden Menschen hin und müssen eine Intimpflege durchführen. Es muss also von beiden Seiten blindes Vertrauen bestehen in dem Moment, das finde ich sehr interessant, beide Seiten müssen sich auf die Situation einlassen.

Warst Du selbst schon in der Situation, auf andere angewiesen sein zu müssen? 

AW: Ich war erst einmal mit Verdacht auf Blinddarmentzündung im Mannheimer Krankenhaus, da hatte ich aber das Glück, dass meine Eltern oder jemand aus meiner Familie immer vorbeikamen, um mir zu helfen. 

Trotzdem gibt es selbst dann Momente, in denen man alleine und auf das Pflegepersonal angewiesen ist. Man kann nicht einfach aufstehen und an den Kühlschrank gehen oder man kommt vielleicht nicht alleine an die Fernbedienung. Gab es in der ersten Woche schon ein Erlebnis, das Dich positiv oder negativ überrascht hat? 

AW: Nicht wirklich, aber dadurch, dass wir die ersten Auszubildenden im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege sind, waren schon einige erstaunt und aufgeregt und egal, wo wir hinkommen hieß es: „Oh, die sind neu. Die sind die Auszubildenden.“ Das fand ich irgendwie lustig. Wir wurden natürlich sofort von allen ganz herzlich aufgenommen und von daher war das gar kein Problem. 

Es ist eher ungewöhnlich, wenn junge Menschen sich für einen solchen Beruf entscheiden. Auch Alexander Welle musste sich im Freundeskreis bereits für seine Berufswahl verteidigen. Selbst von einer Patientin wurde er schon darauf angesprochen:

„Gleich darauf hat sie aber gesagt, dass sie froh ist, dass es Menschen gibt wie uns, die ihr in einer solchen Situation helfen. Das war für mich wieder eine Bestätigung, dass da doch was hängen bleibt und es etwas bewirkt, was wir machen.“