Interviews
Viktoria Stitz an ihrem Arbeitsplatz

"Ich wurde von Anfang an gefördert und gefordert"

Die BG Klinik Ludwigshafen kooperiert seit 10 Jahren mit der Fachhochschule Ludwigshafen, hält dort Vorlesungen zum Thema Qualitätsmanagement und bietet Studierenden des Studiengangs Gesundheitsökonomie im Praxisverbund regelmäßig spannende Praktikumsplätze an. Wir sprachen mit Viktoria Stitz (22), die bei uns in der Klinik im Bereich Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie momentan ihr finales Praktikum absolviert. 

Frau Stitz, was studieren Sie genau und seit wann? 

Ich studiere Gesundheitsökonomie im Praxisverbund in der Form des Rotationsmodells. Man hat ein Vollzeitstudium und ist zwischendurch in verschiedenen Unternehmen zum Praktikum. Es gibt insgesamt drei Praxisphasen, immer in den Sommersemesterferien für 10 Wochen. Einmal zwischen dem 2. und dem 3. Semester und zwischen dem 4. und dem 5. Semester. Dann gibt es abschließend eine lange Praxisphase für ein halbes Jahr, in der ich mich momentan befinde. 

Man sucht sich als Studentin selbst die Unternehmen aus, bewirbt sich dort und kann dann dort diese Praxisphase absolvieren. Voraussetzung für das Studienmodell ist, dass man für die erste Praxisphase schon einen Kooperationspartner hat, also einen festen Praktikumsplatz. Dann ist der Studiengang zugesichert, bis zu einer begrenzten Anzahl von Studenten. 

Es gibt ganz unterschiedliche Kooperationspartner, wie bspw. die BG Klinik, bei denen man sich selbst melden kann. Bei Unternehmen, die keine Kooperationspartner sind, kann dann immer nur eine Person aus dem Studiengang hin. 

Welche Fächer werden im Studium der Gesundheitsökonomie im Praxisverbund vermittelt? 

Es ist ein Schnittstellenstudiengang, dessen Schwerpunkte auf BWL, VWL und auch auf Marketing liegen. Es gab aber auch Vorlesungen über Krankenhausfinanzierung, Recht und  Statistik. Es geht einerseits um ökonomische Teile, andererseits hatten wir aber auch  medizinische Vorlesungen. Es ist von allen Bereichen etwas dabei, sodass man erstmal einen guten Überblick bekommt. Dann kann man sich aber auch noch spezialisieren, es gibt ein Wahlpflichtfach, das man ab dem 5. Semester belegen kann.

Welche Fächer genau sind das? 

Ich hatte Public Health und es gab aber auch Wirtschaftsinformatik. 

Das Studium geht also erstmal in die Breite. Es wird viel solides Wissen vermittelt und dann kann man gewünschte Inhalte vertiefen. Zusammengefasst gibt es also eine gute Basis von Vielem. 

Genau. 

Warum haben Sie sich für ein  Praktikum in der BG Klinik entschieden? 

Eigentlich wollte ich schon meine erste Praxisphase hier machen, hatte mich auch schon dafür beworben, aber leider waren die Stellen schon vergeben. Es war mir wichtig, noch einen Einblick in ein Krankenhaus zu bekommen. Ich war schon bei einer Krankenkasse,  beim PRAVO – Praxisnetz Vorderpfalz und wollte jetzt mal wissen, wie es in einem Krankenhaus ist. 

Das ist das Schöne an dem breit gefächerten Studiengang, dass man sich die verschiedenen Bereiche anschauen kann und zwar schon während des Studiums. Somit kann man vorher schon selektieren und schauen, wo es einem am besten gefällt. 

Bei mir war das jetzt das Krankenhaus und die BG Klinik als Haus der Maximalversorgung. Die Klinik ist in der Region bekannt und ich wollte eben einfach mal die Strukturen kennenlernen und wissen, wie die Abläufe von verschiedenen Projektarbeiten sind.  Es war eine entsprechende Stelle ausgeschrieben und die Inhalte haben mich angesprochen. Es ging hauptsächlich um die Erweiterung des Motoriklabors und die Etablierung der Konservativen Orthopädie. Gleich von Anfang an durfte ich aus betriebswirtschaftlicher Sicht mithelfen. 

Konnten Sie sich unter dem Begriff Motoriklabor denn sofort etwas vorstellen? 

Nein. Ich habe mich am Anfang darüber informiert und fand es gleich total spannend, das Wort Motoriklabor hört man ja nicht so oft. Beim Bewerbungsgespräch bekam ich dann schon mehr Informationen und war noch mehr interessiert. 

Viktoria Stitz mit ihrem Mentor Dr. Aidan Hogan

Sie wurden von Anfang an gut integriert?

Ja, ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt und wurde sehr gut eingearbeitet. Es gab das persönliche Interesse und darüber hinaus wurde ich von Anfang an gefördert und gefordert. Das fand ich sehr schön, ich konnte jederzeit Fragen stellen und gleichzeitig wurden mir gewisse Aufgaben übertragen. „Mach‘ erstmal wie du denkst und dann besprechen wir das gemeinsam.“ Diese Arbeitsweise fand ich sehr schön, ich hatte immer einen Ansprechpartner und wurde von Anfang an miteinbezogen. 

Und das hat Sie anscheinend positiv überrascht. Welche Vorstellungen hatten Sie von der BG Klinik Ludwigshafen als Außenstehende?

Gute Frage, ich war noch nie als Patientin oder Besucherin hier in der Klinik. Man nimmt von außen erstmal ein großes Haus wahr und denkt, dass es nur um die reine Versorgung und nur um Notfälle geht. Aber es gibt ja aber auch sehr viele Dinge, die regelmäßig und standardisiert ablaufen. 

Den Forschungsbereich finde ich beispielweise auch sehr beeindruckend. Sowas hätte ich nicht in dem Ausmaß vermutet, dass hier so viel geforscht wird. Ebenso wie die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen. Ich durfte hier wirklich nicht nur über die Schultergucken, sondern aktiv mitarbeiten, dadurch habe ich extrem viel gelernt.

Auch dass ich von Anfang an einen eigenen voll ausgestatteten Arbeitsplatz und eine eigene Mailadresse hatte, ist nicht selbstverständlich. 

Wie lange hat es gedauert, bis Sie sich hier in der BG Klinik zurechtgefunden haben? Es sind ja schon viele Zusammenhänge, Mitarbeiter, Gänge und Räume.

Am Anfang habe ich mich öfter mal verlaufen und es hat schon so drei Wochen gedauert, bis ich mich einigermaßen zurechtgefunden habe. Ich habe schon einen sehr guten Überblick über die Strukturen und Abläufe gewinnen können. Natürlich kann man auch in einem halben Jahr nicht alle Abläufe kennen, jedoch habe ich auch durch das Projekt Entlassmanagement sehr viel über die Strukturen und Prozesse kennen gelernt.

Wird das Praktikum Ihre weiteren beruflichen Wege beeinflussen? 

Ja. Ich habe früher immer gedacht, dass ein Krankenhaus nichts für mich ist. Man arbeitet in einem Haus, in dem man jeden Tag kranken Menschen begegnet und das muss man ja auch wollen. Aber ich bin jetzt komplett anderer Meinung. Man sieht ja nicht nur die negativen sondern auch die positiven Sachen. Am Anfang habe ich hospitiert,  was ich als Einstieg sehr gut fand. Ich war in der Physiotherapie, im OP, auf Station und auch im Medizincontrolling. Auch hier konnte ich jederzeit Wünsche äußern. 

Auf jeden Fall sieht man so, dass es den Patienten auf Station natürlich in erster Linie psychisch und auch körperlich sehr schlecht geht, beispielsweise Verbrennungs-  oder Amputationspatienten. Aber wenn sie dann in der Reha sind, sieht man andere Dinge. Ich kam in Kontakt mit einer Patientin, die nach einer Amputation ihre ersten Schritte mit Prothese gemacht hat. Sie hat sich so gefreut und das war so ein Riesenerlebnis. Gerade einen Tag vorher hatte ich eine Patientin getroffen, deren Bein frisch amputiert worden war. So ergab das jetzt ein Bild davon, wie der ganze Prozess zusammenhängt. 

Das war für mich eine wahnsinnige Freude und ich habe gesehen, dass es nicht nur kranke Menschen sind, sondern auch Menschen, die dann gut versorgt die Klinik verlassen. Mittlerweile ist das Thema Krankenhaus für mich also sehr spannend und ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Es ist nicht nur reine Büroarbeit, sondern man hat direkt mit Menschen zu tun.

Zusätzlich zu den bereits genannten Themen Motoriklabor und Konservative Orthopädie, waren Sie auch sehr aktiv an der Einführung des strukturierten Entlassmanagements beteiligt. Wenn es am 01.10.2017 eingeführt wird, werden Sie sicher an uns denken, oder?

Auf jeden Fall. Wenn man die Vorarbeit mitgeleistet hat, will man auch wissen, ob die Arbeit gefruchtet hat. Das strukturierte Entlassmanagement ist schon eine große Veränderung, bei der alle Berufsgruppen beteiligt sind, im Prinzip eine wichtige Anpassung der Struktur.  Aufgrund der gesetzlichen Änderungen und der Dringlichkeit des Themas habe ich mein Aufgabengebiet dann ja gewechselt und konnte mich in der Projektarbeit zum Thema Entlassmanagement weiterentwickeln.

Außer diesen drei großen Themen haben wir auch einen Antrag für einen Innovationsfonds gestellt, das war auch sehr spannend. 

Das Interview führte Nadine Schmidt