Pressemitteilungen (Detail)

„Kind und Finger wohlauf, Eltern glücklich!“

Ein unbeobachteter Moment kostet der kleinen Monika beinahe den rechten Zeigefinger. Doch die Handchirurgen der BG Klinik Ludwigshafen setzen alles daran, den Finger des 17 Monate alten Mädchens zu retten. Und haben am Ende Erfolg.

Einen nicht alltäglichen Fall konnten die Handchirurgen der BG Klinik Ludwigshafen Anfang des Jahres zu einem glücklichen Ende bringen. In einer vierstündigen Operation replantierten die Experten den Finger eines 17 Monate alten Mädchens. Das Kind war in einem unbeobachteten Moment auf die Schwelle der Terrassentür gekrabbelt. Beim Schließen der schweren Schiebetür hatte die Großmutter die Kleine kurz nicht im Blick – und schon war es passiert: Der rechte Zeigefinger des Kindes wird fast komplett abgetrennt. Lediglich die Beugesehne und zwei Nerven verbinden das abgetrennte Fingerglied noch mit dem Rest der Hand. Die Durchblutung ist komplett unterbrochen. Nach einer Erstversorgung im Krankenhaus vor Ort fährt der Rettungsdienst Mutter und Kind in das Handchirurgische Zentrum der BG Klinik Ludwigshafen.

„Kinder haben wir nicht sehr häufig hier bei uns“, sagt Prof. Dr. Ulrich Kneser, Direktor der Klinik für Hand-, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie. Und gerade so kleine Kinder wie jetzt im aktuellen Fall sind auch für die erfahrenen Mikrochirurgen eine echte Herausforderung. „Einen Finger dieser Größe zu replantieren, ist an der Grenze zum technisch Machbaren“, erläutert Prof. Kneser. Denn die Strukturen im verletzten Finger sind zu klein und die Instrumente zu groß. 0,3 mm misst der Innendurchmesser der durchtrennten Blutgefäße, die in der Operation mit vier Stichen wieder aneinander genäht werden. Nadel und Faden sind dünner als ein Haar und mit bloßem Auge fast nicht zu erkennen. Nur unter dem OP-Mikroskop, das eine 20-fache Vergrößerung bringt, ist die Operation überhaupt möglich. Dass der komplizierte Eingriff erfolgreich verläuft, ist nicht zuletzt der großen Routine der Chirurgen zu verdanken. Prof. Kneser: „Unsere Oberärzte operieren sehr viele mikrochirurgische Rekonstruktionen und verfügen über die notwendigen Kenntnisse, eine solche Operation anzugehen.“

Chirurgische Eingriffe an der Hand sind eine Kernkompetenz der BG Klinik Ludwigshafen. Jährlich werden allein in der Sektion Handchirurgie rund 2.000 Patienten behandelt. Die Ludwigshafener Einrichtung gehört damit zu den größten Handchirurgischen Zentren in Deutschland, und das Ärzteteam kann mithin auf eine große Erfahrung zurückgreifen. Die Akutbehandlung nach frischen Verletzungen ist dabei nur ein Teil des breiten Leistungsspektrums des Bereiches. Folgeoperationen und Korrektureingriffe wie etwa Narbenauflösungen, Sehnenrekonstruktionen oder wiederherstellende Eingriffe an Knochen und Gelenken machen neben der Behandlung von Nervenverletzungen an Hand und Arm den Großteil der Fälle aus. Hinzu kommt eine spezielle Hand-Rehabilitation, die gezielt auf die Bedürfnisse arbeitsunfallverletzter Patienten ausgerichtet ist. Denn gerade bei Arbeitsunfällen sind die Hände häufig betroffen. Operative Eingriffe an der Hand gelten dabei als hoch komplex. Ein Viertel der menschlichen Knochen findet sich in der Hand. In einem fein abgestimmten Zusammenspiel ermöglichen uns die 27 Knochen, 33 Muskeln und drei Hauptnerven so unterschiedliche Bewegungen wie zartes Streicheln und Gitarrenspiel, aber auch kraftvolles Zupacken und einen sicheren Griff.

Dass die Replantation des kleinen Kinderfingers glückt, vermochte vor der Operation niemand vorherzusagen. Umso glücklicher waren die Chirurgen, als bereits während der OP zu sehen war, dass die angenähte Fingerspitze wieder durchblutet wird. „Als Arzt möchte man natürlich alles dafür tun, dass der Finger überlebt“, fasst Oberarzt Dr. Vogelpohl, der das Kind operierte, die Stimmung im OP zusammen. Doch nach dem Eingriff müssen sich Monika, ihre Eltern und die Ärzte weitere fünf bis sieben Tage in Geduld üben. Erst nach dieser Zeit zeigt sich, ob die komplizierte Operation tatsächlich Erfolg hat.

Ob die kleine Monika denn später immer noch Konzertpianistin werden kann? „Das wird sich zeigen“, sagt Prof. Kneser, denn die schwere Verletzung kann zu Narbenbildung und einer eingeschränkten Beweglichkeit führen. Genau wie bei den „Großen“, muss auch Monika daher in den nächsten Wochen ergotherapeutische Übungen machen und zur regelmäßigen Nachsorge immer mal wieder in die BG Klinik kommen.

Pressefotos: Die folgenden Pressefotos stehen unter Nennung der Quellenangabe zum Abdruck im Zusammenhang mit der oben genannten Meldung zur freien Verfügung. Wir erbitten ein Belegexemplar. Weiteres Fotomaterial auf Anfrage erhältlich.

Endlich ist der Verband ab: Oberarzt Dr. Julian Vogelpohl begutachtet die Operationsnarbe an Monikas Finger. Quelle: BG Klinik Ludwigshafen

Noch schont die kleine Monika ihren Finger, doch die Ärzte geben grünes Licht: Bei der Nachsorgeuntersuchung ist Oberarzt Dr. Julian Vogelpohl zufrieden mit dem OP-Ergebnis. Quelle: BG Klinik Ludwigshafen

Nadel und Faden für die komplizierte Operation an dem kleinen Finger sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die Ärzte verwenden bei Operationen an der Hand ein Mikroskop mit rund 20facher Vergrößerung. Quelle: BG Klinik Ludwigshafen 

  Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Ute Kühnlein M.A.

Pressestelle

  0621 / 6810 - 8507   0621 / 6810 - 2400 ute.kuehnlein@bgu-ludwigshafen.de