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Tätigkeitsorientierte Rehabilitation nützt Patient und Kostenträger

Seit 2011 wird die Tätigkeitsorientierte Rehabilitation (TOR) in der BG Klinik Tübingen für Versicherte der Gesetzlichen Unfallversicherung angeboten. Eine aktuelle Auswertung des Patienten-Outcomes zeigt, dass fast 70% der mit TOR behandelten Versicherten wieder arbeitsfähig werden. Vergleichbare Ergebnisse liefert eine Studie aus der BG Klinik Ludwigshafen, wo TOR bereits 2008 eingeführt wurde.

"164 Rehabilitanden haben wir in den Jahren 2014 bis 2016 in Tübingen mit TOR behandelt“, berichtet Dr. Bernd Hofbauer, Leitender Arzt der Abteilung für Berufsgenossenschaftliche Rehabilitation und Heilverfahrenssteuerung an der BG Klinik Tübingen. „Bei Entlassung aus der TOR waren davon 21 Prozent sofort wieder arbeitsfähig, 36 Prozent konnten eine anschließende Arbeitsbelastungserprobung beginnen.“ Bei der Auswertung des weiteren zeitlichen Verlaufs zeigte sich, dass bei 69 Prozent der Versicherten abschließend die Arbeitsfähigkeit erreicht werden konnte.

„Unsere Ergebnisse belegen, dass die TOR ein gutes Instrument ist, um Patienten wieder an ihren Beruf heranzuführen“, fasst Hofbauer zusammen. „Auch Patienten, die wir nicht arbeitsfähig entlassen können, haben gute Chancen über eine anschließende Arbeitsbelastungserprobung wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzufinden.“ Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse, dass die TOR bei Mono-Verletzungen tendenziell eher erfolgreich ist als bei Mehrfachverletzungen, und Verletzungen der oberen Extremitäten ein besseres Outcome haben als Verletzungen der unteren Extremitäten.

Motivierte Patienten

Eine aktuelle Untersuchung an der BG Klinik Ludwigshafen zeigt ein vergleichbares positives Outcome der Tätigkeitsorientierten Rehabilitation. Die Studie mit 98 Patienten aus dem Jahr 2016 zeigt, dass 19 Prozent der Rehabilitanden, also jeder fünfte, bei Entlassung aus der TOR sofort wieder arbeitsfähig war. 49 Prozent konnten in eine Arbeitsbelastungserprobung entlassen werden. Im weiteren zeitlichen Verlauf zeigte sich, dass 84 Prozent der Versicherten eine abschließende Arbeitsfähigkeit erreichen konnten.
„Kein bisher etabliertes Rehabilitationsverfahren erreicht eine derart hohe Erfolgsquote hinsichtlich der Rückkehr an den alten Arbeitsplatz“, betont Dr. Henry Kohler, Chefarzt des Reha Zentrums und Leitender Arzt der Abteilung für Berufsgenossenschaftliche Rehabilitation und Heilverfahrenssteuerung an der BG Klinik Ludwigshafen. „Auch stehen die Patienten diesem neuen Verfahren positiv gegenüber und arbeiten extrem motiviert mit.“

In Ludwigshafen wie auch in Tübingen profitieren die Patienten von der örtlichen Nähe der Rehabilitationsmaßnahme zur chirurgischen und akutmedizinischen Expertise, die es ermöglicht, die Patienten von der Unfallstelle bis zur Rehabilitation aus einer Hand zu versorgen und im Bedarfsfall schnell und unbürokratisch eine chirurgische oder orthopädische Beurteilung einzuholen.

Arbeitsplätze individuell nachgestellt

Die Tätigkeitsorientierte Rehabilitation ist eine realitätsnahe, am jeweiligen Arbeitsplatz des Rehabilitanden orientierte Rehabilitationsmaßnahme für Versicherte der gesetzlichen Unfallversicherungsträger. Sie dauert in der Regel vier Wochen und wird von speziell ausgebildeten Rehabilitationsmedizinern und Ergotherapeuten durchgeführt.

Ziel der TOR ist es, durch die möglichst alltagsnahe berufliche Belastung eine zuverlässige Einschätzung der Leistungsfähigkeit der Versicherten zu erhalten und deren individuelle Defizite entsprechend zu rehabilitieren. Hierzu werden die einzelnen Arbeitsplätze individuell nachgestellt, um eine realistische Arbeitsbelastung zu ermöglichen. Besondere Anforderungen am Arbeitsplatz können so vor der Wiederaufnahme der Tätigkeit gezielt geübt werden. Die TOR hat sich insbesondere bei Wiedereingliederungsproblemen am Arbeitsplatz bewährt.

Voraussetzungen für die Durchführung der TOR ist die volle Belastbarkeit des Rehabilitanden nach ausgeheilter Verletzung bei noch bestehenden Funktions- und Kraftdefiziten. Des Weiteren sollte eine positive ärztliche und psychologische Prognose hinsichtlich der Wiedereingliederung vorliegen sowie eine detaillierte Beschreibung des Arbeitsplatzes des Rehabilitanden.

Die Abteilung für Berufsgenossenschaftliche Rehabilitation und Heilverfahrenssteuerung an der BG Klinik Tübingen verfügt über sechs TOR-Plätze, in der BG Klinik Ludwigshafen stehen 18 TOR-Plätze zur Verfügung. Ein Ergotherapeut betreut hierbei in der Regel drei Rehabilitanden. Begleitend zu den ergotherapeutischen Maßnahmen werden Physiotherapie, physikalische Therapie, medizinisches Aufbautraining, psychologische Betreuung und Schmerztherapie angeboten.

Bildunterschrift:

Realitätsnahe Arbeitsbelastung im Rahmen der Tätigkeitsorientierten Rehabilitation (Bildquelle: BG Klinik Ludwigshafen. Dateigröße 5MB).

 

 

  Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Ute Kühnlein M.A.

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