Impulse

Impulse

An dieser Stelle möchten wir hin und wieder kurze Texte, Gedanken, Gedichte bereitstellen, die uns mit Ihnen über alle Distanzen hinweg verbinden und in dieser Zeit Impulse geben.

 Aus der Enge heraus…

Allmählich kommen wir heraus aus dem „Lockdown“ – ein bisschen mehr an Kontakt und Begegnung wird möglich. Allerdings behalten die Hygienevorschriften und Abstandsregelungen auch weiterhin ihre Gültigkeit. Nichts ist, wie es vorher war. Das macht vielen Menschen Sorgen. Und es verleitet dazu, auch im eigenen Denken starr bei den Regeln und Vorschriften zu bleiben, was letztlich zu immer mehr Enge führt.

In den letzten Tagen begegnen mir unterwegs immer wieder Menschen, die ihren Mundschutz tragen und darüber kaum hinausschauen. Sie grüßen nicht, sie schauen mich noch nicht einmal an. Ich finde das schade! Gerade jetzt geht es darum, uns trotz aller sinnvollen Regeln daran zu erinnern, dass wir lebendig sind. Wir können ausprobieren, was wieder möglich ist. Dafür müssen wir nicht alle umarmen, die uns begegnen, aber wir können uns doch in die Augen sehen, einen guten Tag wünschen und uns miteinander unterhalten. Wenn die Corona- Pandemie uns die Mitmenschlichkeit rauben würde, wäre das doch wirklich fatal!

Insofern hoffe ich auf lebendige Augenblicke – drinnen und draußen – und freu mich auf alte und neu Begegnungen!

Annette Schulze

 

 

 HOPE – das heißt Hoffnung…

Vor Jahren schon begleitet mich eine kleine Figur. Es ist eine Kindergestalt, die sich nach oben streckt. In der Hand hält sie einen Luftballon mit dem Wort „Hope - Hoffnung“. Einmal war sie schon mit mir auf Reisen – zu einer Fortbildung, aber normalerweise hat sie Ihren Platz  auf meinem Schreibtisch. Da fällt sie allerdings immer wieder mal um, wenn ich zu fest an den Tisch stoße.
Es ist so eine Sache mit der Hoffnung: sie ist ein bisschen wackelig. Ein zartes Pflänzchen, das gehegt und gepflegt werden will.

In diesem Zusammenhang kam mir das Lied vom kleinen Senfkorn Hoffnung in den Sinn, das in Gottesdiensten so oft gesungen worden ist. Es ist nichts Großes – nur ein winziges Samenkorn, kaum zu sehen, und doch gehen wir unter ohne die Hoffnung.

Gerade in diesen Zeiten, in denen Angst und Absonderung so viel Bedeutung bekommen haben, ist die Hoffnung entscheidend, dass das Leben weitergeht. Nicht erst irgendwann, wenn die Krise vorbei ist, sondern schon jetzt. Weil wir jetzt leben und atmen, uns freuen und trauern und uns sorgen. Und weil wir hoffen – jeden Tag, dass dieser Tag ein guter, ein gelungener wird. Dass diese Krise ein gutes Ende nehmen wird, dass irgendwie doch alles gut wird. Und wenn wir auch sonst zur Zeit nicht viel miteinander tun können: Hoffen  - das können wir gemeinsam…

In diesem Sinn wünsche ich uns hoffnungsvolle Tage!!!

Annette Schulze

 Mir Zeit nehmen…

„Die besten Tage sind die, an denen du nichts geschafft hast, außer dir Zeit zu nehmen…“
Ein Kalenderspruch, der mich  nachdenklich macht. Aufgaben zu übernehmen, etwas zu schaffen, ein Projekt zu Ende zu bringen, das gehört zu meinem Alltag. Das ist vernünftig, logisch und sinnvoll – und ich bin es gewohnt, in diesen Kategorien zu denken. Etwas schaffen, hart arbeiten, um sich gut und wichtig zu fühlen – so muss das sein… vielleicht aber auch nicht…!
In nur einem Moment kann das alles unmöglich werden – ein Sturz, Schmerzen, Untersuchungen, OP, Therapien über Wochen und Monate – und auf einmal habe ich Zeit und frage mich, wofür… Was soll ich mit der ungewollten Auszeit anfangen?
In Zeiten des Abstandhaltens und der Quarantäne gibt es auf einmal auch ungeahnt viel Zeit, die genutzt und gefüllt werden will. „Die besten Tage sind die, an denen du nichts geschafft hast, außer dir Zeit zu nehmen…“ – wofür ich mir Zeit nehme, dazu sagt der Kalenderspruch nichts. Aber wie oft hab ich mir schon mehr Zeit gewünscht – für alles mögliche, für das nie Zeit geblieben ist.
Wie wäre es also, wenn ich mir jetzt bewusst Zeit nehme für eine gute Tasse Kaffee, für das Buch, das schon seit dem vorletzten Geburtstag auf dem Nachttisch liegt, für einen Moment der Stille, in dem ich die Vögel zwitschern höre. Ich könnte sogar eine Blume pflanzen, damit sie mich erinnert an den Tag, als ich sie gepflanzt habe – und daran, dass es ein guter Tag war – in schwierigen Zeiten, aber doch ein guter Tag…
Gute Tage, gute Momente, eine gute Zeit wünsche ich uns allen!
Annette Schulze
(Klinikseelsorge)

 

 

 Vergnügt, erlöst, befreit

"Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.“  Mit diesen Worten beginnt eines der Psalmgedichte des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Wunderschöne Gedanken – gerade an Ostern. Über das Dunkel hinaussehen – und das Licht finden. Mein Leben, unser Leben mit all seiner Schwere und Dunkelheit betrachten, benennen – und dann los- lassen und uns dem Leben neu zuwenden: befreit.

Das Schwierige ist doch, immer wieder das Leben mit seinen Herausforderungen und Grenzen anzunehmen – weil wir gar keine andere Möglichkeit haben: wir haben nur dieses eine Leben.
Wir haben nur diesen einen Augenblick: JETZT. Wir können ihn gestalten, wenn wir uns von den Grenzen und Zwängen der Welt und unseres eigenen Denkens lösen. Das JETZT leben, weil wir davon „befreit“ sind. Das JETZT leben, weil wir zu unserem Weg mit allen Höhen und Tiefen JA sagen. JA sagen - sogar zum Kreuz und zum Tod, weil wir auf dem Weg mit Jesus erfahren durften, dass wir mit ihm davon „erlöst“ sind. Das JETZT leben und genießen – diesen Tag, diesen Augenblick, wirklich „vergnügt“, weil wir für dieses Leben nichts tun oder leisten müssen. Wir sind geliebt, von Anfang an. Wir sind gehalten und getragen von Gott und in seinem LEBEN IN FÜLLE.

Wie sollten wir nicht vergnügt sein – trotz aller Fragen und Widrigkeiten?
Leben ist mehr als das, was wir vor Augen haben. Mehr als Ansteckungszahlen, Schutzmaßnahmen, mehr auch als eigene Sorgen und Ängste. Zum Leben gehört Hoffnung und Mut, Sehnsucht, Freundschaft und Liebe. Ganz gleich, wie lange wir auf Distanz bleiben müssen: wir gehören trotzdem zusammen. Wir sind eine Gemeinschaft aus vielen Einzelnen: vergnügt, erlöst, befreit.

Viele lebendige Momente wünsche ich Ihnen!

 

 

 dem leben begegnen

dem leben begegnen

im zerstreuten außen
das „innen“ finden

aus dem tumult von aufgaben
gedanken
fragen
problemen
heraus
einen augenblick
leben
auskosten

innehalten
und wahrnehmen
was ist
in diesem einen moment

jetzt
neues entdecken

im abgeschlagenen
totgeglaubten
   dem leben begegnen
   in all seiner kraft
   und fülle

(Annette Schulze)

 

 

 

 

 

 

 Auf einmal ist alles ganz anders…

Auf einmal ist alles ganz anders…

es braucht nicht viel
um unsere Welt aus den Fugen zu heben
unseren Alltag
mit allen Plänen und Zielen
umzukrempeln
und uns den Boden unter den Füßen
weg zu ziehen…

nur ein paar Worte
ein Unfall, ein Sturz
oder ein Virus
und wir stehen
geschockt und hilflos
vor dem
was einmal unser leben ausgemacht hat

alles ist anders auf einmal
aber
„anders“ ist nicht das Ende…
auch wenn wir noch nicht wissen, wie
geht das Leben weiter
und wir sind nicht allein
wir können zusammenhalten
wir können füreinander da sein
wir können
trotz allem
leben
miteinander
(Annette Schulze)